Segen empfangen * Samhain *

Bild: canva.com
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„Wie jede Blüte welkt und jede Jugend dem Alter weicht,
blüht jede Lebensstufe, blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.


Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in and’re, neue Bindungen zu geben.

 

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu leben.

 

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten!

 

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt,
so droht Erschlaffen!

 

Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewohnheit sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen senden:
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.

 

Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!“

STUFEN von Hermann Hesse

 

 

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Heute ist Samhain. Ein heiliger, ein besonderer Tag im Jahreskreis und eine Zeit der größten Kraftquellen für das eigene Leben. Heute beginnt im keltischen Jahreszeitenfest der Winter.

Es markiert das Ende der Erntezeit und es ist das Eintauchen in die heilige Dunkelheit. Es ist der Beginn des neuen Jahres und die Magie der Nebel.

 

An diesem heutigen, besonderen Tag sind die Schleier dünn, wir können eintauchen in die Welt unserer Ahn*innen. Wir können ihre Botschaften empfangen und ihnen unseren Dank senden. Denn sie sind es, denen wir alles zu verdanken haben. Sie haben den Weg für uns bereitet und ihre Kraft und Liebe pulsiert in unseren Knochen. Niemand existiert getrennt von den Verstorbenen, denn ihre Präsenz ist allgegenwärtig. Diese Zeit regt zum Nachdenken an, um sich geistig weiterzuentwickeln. Nach keltischer Auffassung ist nur der Tod in der Lage, neues Leben zu erschaffen.

 

Dunkelheit, Finsternis, dunkle Schwärze – meist wollen wir damit nicht viel zu tun haben. Wir wünschen es hell, fröhlich, glücklich und zahlen oft einen hohen Preis dafür, diese Fassaden aufrecht zu erhalten.

 

Heute zu Samhain hat jemand, mir sehr nahestehend, seine Augen für immer geschlossen und ist nach Hause gegangen. Ich fühle den tiefen Schmerz in meinem Herz. Ich bete und bin in tiefer Liebe und Verbundenheit so nah. Ich habe einen kleinen Altar bereitet mit einer zarten Rose, einer weißen Kerze und dem letzten Brief der Dankbarkeit, den ich vor kurzem noch erhielt.

 

Wenige Stunden zuvor konnten wir noch telefonieren, und ich sagte: „In guten und in schlechten Zeiten, in Gesundheit und in Krankheit, ich begleite dich, ich denke an dich, du bist nicht allein. Eine wunderschöne rosa-weiße Rose blüht für dich und strahlt mit ihrer Liebesschwingung zu dir. Gottes Wesen ist reine Liebe. Lege allen Schmerz, alles Leid und jeden schweren Gedanken in Gottes Hände. Lass Gott die Führung übernehmen. Erinnere dich, du bist Geist im Geiste Gottes, deine Seele ist heil, lichtdurchflutet, reine Liebe, ewig, unsterblich. Es ist der Körper, der leidet und der gerade schwer Luft bekommt in diesem Moment. Übergib das Leiden Gott. Gott mach du, ich kann hier gerade nicht mehr weiter. Nimm hinweg den Schmerz, die Angst, das Leid und alle Qualen. Führe mich mit deiner Liebe in deiner Kraft. Dein Wille allein geschehe.“

 

Niemand von uns weiß, wann unsere Todesstunde naht und unsere Seele den Körper verlässt. Meist möchten wir uns damit nicht tiefer beschäftigen.


"Wer den Tod nicht als Grenze seines Lebens begreift, kann sich nicht selbst konstituieren, oder seine eigenen Grenzen annehmen und sich dem anderen öffnen. Je radikaler er dies begreift, umso wahrhafter ist die Liebe und die Wirklichkeit seines Lebens – wer nicht liebt, existiert nicht. Für den Tod dankbar sein, ihn anzunehmen und zu begreifen, bedeutet ein erfülltes Leben in Liebe."

(Quelle des Zitats: Imago Hominis (1998); 5(2): 89-94, Rafael Alvira)

 

Heute ist Samhain. Und so tauche ich ein, gemeinsam mit der verstorbenen Person, in diese heilige, dunkle Zeit. Die weibliche Urkraft stammt von dort. Alles kommt aus der Dunkelheit und kehrt dorthin zurück. Ich vertraue den heiligen urweiblichen Räumen, hier können wir wieder ganz werden und das Licht neu empfangen.

 

Ich schließe meine Augen und lasse mich tief ein, tauche ein in meine innere Welt. Ich fühle mich umarmt und gehalten von der samtigen Dunkelheit in mir.

 

Nun öffne ich meine Arme weit, fühle in mein Herz und lade die mir nahestehenden Verstorbenen und meine Ahn*innen in liebevoller Verbundenheit zu mir ein. "Ich bin das Ergebnis der Liebe von euch allen, ihr geliebten Verstorbenen und ihr geliebten Ahnenmütter und Ahnenväter. Ich bin unendlich dankbar für alle Erfahrungen im Leben mit euch. Danke, dass ich euch begegnen durfte. Danke, dass wir einander so tief verbunden sein konnten. Ich spüre euch alle. Ich fühle unermessliche Dankbarkeit in meinem Herzen."

 

Die Verstorbenen sind mir nahe. Die Ahn*innen stehen alle hinter mir. Ich bin berührt von ihrer Liebe und ihrer Unterstützung, die sie mir schenken. So viele sind bei mir, aus der Vergangenheit und aus weiter, ferner Vergangenheit.

 

Ich wende meinen inneren Blick zu den Verstorbenen und all meinen Ahn*innen und ich sende auch ihnen meine guten Wünsche und Gebete.

 

Ich danke für die Heilung unserer Wurzeln.

Möge diese Kraft in das kollektive Feld fließen.

Möge die Kraft der Heilung unserer Wurzeln zu allen Menschen strömen, ganz besonders heute.

Ich gedenke eurer in höchster Wertschätzung und Liebe. In Frieden und mit Gottes Segen.

Amen.

 

Voller Liebe

Gerlinde

1-sein.at