Der blinde Fleck –
Warum wir die Welt oft nicht sehen, wie sie ist
Hast du schon einmal auf eine Situation reagiert und dich später gefragt:
"Warum hat mich das eigentlich so getroffen?"
Vielleicht war da ein gewisser Blick, ein bestimmtes Wort, eine Mail-Nachricht...
Etwas scheinbar Unbedeutendes - doch hat dich genau das tiefer berührt und etwas in dir ausgelöst, während andere dieselbe Situation vielleicht kaum bemerkt hätten.
Warum ist das so?
Die unsichtbare Brille
Stell dir vor, du trägst seit vielen Jahren eine Brille.
Du trägst sie schon so lange, dass du sie kaum noch auf der Nase spürst.
Alles, was du siehst, erscheint dir selbstverständlich.
Ohne Brille würdest du manches anders sehen - mit Brille ist es für dich ganz normal.
Genau so verhält es sich oft mit unserer inneren Wahrnehmung.
Wir betrachten die Welt nicht nur durch unsere Augen.
Wir betrachten sie durch unsere Erfahrungen, durch Erinnerungen, Überzeugungen, Prägungen, Geschichten, die wir über uns selbst und das Leben gelernt haben.
Diese innere Landschaft begleitet uns jeden Tag.
So vertraut, dass wir sie kaum hinterfragen.
Die Mosaiksteine unseres Lebens
Jede Erfahrung hinterlässt Spuren.
Wie kleine Mosaiksteine formen sie das Bild, das wir von uns selbst und von der Welt haben.
Manche Erfahrungen schenken Vertrauen, andere erzeugen Zweifel.
Einige öffnen unser Herz., andere lassen Schutzmauern entstehen.
Nichts davon ist falsch.
Viele dieser inneren Strategien waren einmal wichtig.
Vielleicht haben sie uns geholfen, schwierige Situationen zu bewältigen.
Vielleicht haben sie uns Sicherheit gegeben.
Doch manchmal tragen wir sie noch immer mit uns, obwohl die Situation längst vorbei ist.
Dann beginnen wir, auf die Vergangenheit zu reagieren, während wir glauben, auf die Gegenwart zu antworten.
Der blinde Fleck
Hier beginnt das, was ich den blinden Fleck nenne.
Nicht etwas, das verborgen werden möchte, sondern etwas, das gesehen werden möchte.
Der blinde Fleck steuert oft unbemerkt unser Denken, Fühlen und Handeln.
Er flüstert:
"Pass auf."
"Du bist nicht gut genug."
"Das wird wieder schiefgehen."
Oder:
"Du musst alles alleine schaffen."
Und weil diese Stimmen so vertraut sind, halten wir sie oft für die Wahrheit.
Dabei sind sie häufig nur alte Erfahrungen, vielleicht auch Stress-Speicherungen, die noch immer durch uns sprechen.
Die Pflanze, die wir gießen
Stell dir vor, du gießt jeden Tag dieselbe Pflanze.
Würdest du dich wundern, dass genau sie so üppig wächst?
Unsere Aufmerksamkeit wirkt ähnlich.
Worauf wir unseren Blick lenken, erhält Energie.
Wenn wir immer wieder dieselben Sorgen nähren, wachsen sie.
Wenn wir immer wieder dieselben Ängste bestätigen, werden sie stärker.
Nichts davon ist falsch.
Es ist einfach nur wichtig, dass wir uns bewusst sind, dass unsere Aufmerksamkeit wie ein magisches Tool ist, das Wachstum ermöglicht.
Wir erschaffen mit unserer gelenkten Absicht unsere Realität - ob bewusst oder unbewusst.
Bewusstseinsqualität beginnt deshalb nicht damit, gegen Gedanken oder Gefühle zu kämpfen.
Sie beginnt damit, bewusst wahrzunehmen, wohin unsere Aufmerksamkeit fließt.
Vom Reagieren zum Erkennen
Der entscheidende Moment geschieht, wenn wir innehalten.
Wenn wir beobachten oder still sind, statt sofort zu reagieren.
Wenn wir uns fragen:
"Ist das wirklich die Situation, die mich belastet?"
Oder:
"Berührt diese Situation etwas, das schon länger in mir lebt?"
Allein diese Fragen öffnen einen neuen Raum.
Einen Raum zwischen Reiz und Reaktion.
Einen Raum, in dem Bewusstheit entstehen kann.
Für mich beginnt hier Bewusstseinsqualität
Es geht nicht darum, jemand anderes zu werden.
Es ist nicht notwendig, sich ständig selbst zu optimieren.
Vielmehr kann ein Wendepunkt sein, sich selbst bewusster - echt und liebevoll - zu begegnen.
Mit Ehrlichkeit.
Mit Mitgefühl.
Mit der Bereitschaft, die eigene innere Landschaft kennenzulernen.
Denn unter all den Erfahrungen, Prägungen und Schutzmechanismen wartet etwas Kostbares.
Nicht jemand Neues, sondern das, was wir in Wahrheit schon immer waren.
💫 Ein Moment für dich:
Schenke dir einen tiefen, ruhigen Atemzug.
Lausche einen Augenblick nach innen.
"Welche Überzeugung über mich selbst halte ich heute noch für wahr –
obwohl sie vielleicht aus einer längst vergangenen Erfahrung entstanden ist?"
DieEnergieDolmetscherin
EINSSEIN – Bewusstseinsqualität

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Marie (Donnerstag, 16 Juli 2026 15:19)
Das hilft mir gerade sehr, warum es mir so schwerfällt loszulassen, obwohl ich weiß, dass es mir nicht guttut. Toller Beitrag! Dankeschön.